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Immobilien-ETF als Depotbeischung, Rainer Sturm, Pixelio.de

Wie diversifiziere ich mein Investmentfonds-Depot mit Immobilienanlagen und ETFs am besten? Wer mit ETFs und aktiven Investmentfonds nicht nur auf Aktien setzen will, sollte sich neben Rostofffonds oder Edelmetall-ETFs auch Immobilien-ETFs ansehen.

Vorher gilt es jedoch zu überlegen, ob Immobilien tatsächlich grundsätzlich die Bezeichnung Betongold verdienen; ob sie eine risikolose Anlageform darstellen und ausreichend Inflationsschutz gewährleisten. Gutverdiener kaufen sich häufig Eigentumswohnungen und vermieten diese. Das brachte über viele Jahrzehnte hinweg betrachtet nur auf den ersten Blick ordentlich Gewinn ein. Der Aufholprozess der Immobilienpreise – bzw. die Blasenbildung am Immobilienmarkt in einigen Stadtteilen in den letzten Jahren bildet ausnahmsweise einen Zeitraum mit guten bis sehr guten Immobilienrenditen – bis die Preise in einigen heißgelaufenen regionalen Märkten wieder einbrechen.

Selbst von der vorsichtigen Deutschen Bundesbank waren Warnungen vor Preisblasen im Immobiliensektor einiger Metropolen zu hören. In anderen Regionen Deutschlands ist anhand der Geburtenraten in den vergangenen Jahrzehnten und dem relativ starken Wegzug junger Menschen absehbar, dass der Wohnraumbedarf in den nächsten Jahren deutlich sinken wird.

Außerdem ist die die Mobilität vieler Arbeitnehmer mit Blick auf die Digitalisierung vieler Branchen noch nicht in das Blickfeld der Anleger gerückt. Wer genausogut mit seiner Familie am Laptop auf dem Dorf 150-200 Kilometer entfernt von seinem Arbeitgeber in der nächsten Metropole arbeiten könnte, wird irgendwann nicht mehr die Mondpreise für Eigentumswohnungen und Häuser in Regionen wie Hamburg oder Berlin akzeptieren. Deren Preise sind zunehmend stärker mit Rückschlagspotential behaftet.

Lieber werden solche Familien in Zukunft möglicherweise auch in das weiter entfernte Umland ausweichen. Verbunden mit der deutlichen Alterung der Bevölkerung in ganz Deutschland einschließlich der Metropolen, droht auch in Berlin, München, Frankfurt am Main und anderswo den Käufern der jüngsten Vergangenheit Ungemach, sprich deutlicher Wertverlust. Wenn sich Angebot und Nachfrage innerhalb weniger Jahre für weniger gut informierte Käufer überraschend verändern, könnten die Preise deutlich sinken.

Anleger, die auf einzelne Immobilien, geschlossene Immobilien oder selbst auf einen deutschen ETF gesetzt haben, werden in den nächsten Jahren daher wohl froh sein, wenn sie mit einem blauen Auge davonzukommen. Daher sollte man nur einen kleinen Anteil des Depots in Immobilien halten und den auch noch breit streuen. Das Handelsblatt verweist auf einen inzwischen wieder recht hohen Nettoinventarwert (Gebäude und Grundstücke abzüglich der Schulden) deutscher Immobilienaktien. Zudem können steigende Zinsen wegen der Fremdfinanzierung einmal ein Problem für Immobiliengesellschaften in Europa und den USA darstellen, wo die Zinsen noch extrem niedrig sind. Nach enormen Wertentwicklungen per anno von etwa 20 Prozent (3 Jahre) oder 13 Prozent (5 Jahre) des Fonds Axa Aedificandi (FR0000170193) ist im Euroraum vielleicht nicht mehr ganz so viel Luft nach oben.

Global ist der Investor mit dem E&G Global Reit von der Privatbank Ellwanger & Geiger (LU0441338497) in Immobilien investiert und im wachstumsstarken Asien-Pazifik-Raum mit seiner jungen Bevölkerung mittels des Schroder International Selection Fund Asia Pacific Property Securities (LU0269906375).

Die breiteste Streuungsmöglichkeit bietet der globale Immobilienindex MSCI World Real Estate als ETF zum Beispiel  von Lyxor (FR0010833574). Der in der Vergangenheit sehr guten Think Global Real Estate UCITS ETF (NL0009690239) ist nur direkt über die Börsen zu erhalten, da er lediglich für die Niederlande eine Vertriebszulassung beantragt hat.

Der MSCI World Real Estate umfasst die nach Marktkapitalisierung wichtigsten Immobiliengesellschaften. Die machen machen den Hauptteil aus; mit einem Drittel. Firmen aus Hongkong und Japan mit 21 und 15 Prozent sind ebenfalls relativ stark vertreten. Europäische Immobiliengesellschaften machen rund 13 Prozent des Index aus. Er umfasst insgesamt etwa 80 Aktien aber keine deutschen.

Immobilienbesitz außerhalb Deutschlands streuen

Daher sollte man entweder mehrere Immobilien-ETFs auswählen, die global auf Immobilienmärkten investiert sind oder mindestens einen europäischen ETF wählen, wie db x-trackers FTSE Developed Europe ex UK Property UCITS ETF (DR), Der baut den Index physisch nach und umgeht so das Kontrahendenrisiko und andere Risiken von ETFs auf Swap-Basis.

Wer auch den Immobilienmarkt des Wirtschaftsgiganten USA einbeziehen will, könnte auf den iShares MSCI Target US Real Estate UCITS ETF zurückgreifen und erhält allerdings damit auch ein Dollarinvestment mit einem gewissen Währungsrisiko. Das besondere an dem Fonds ist, dass er auch in REITs investiert, die verpflichtet sind 90 Prozent der Gewinne auszuschütten. Vor allem ist der ETF sehr flexibel in der Ausbalanzierung des Verhältnisses zwischen REITs und Tipps, was die Wertschwankung sehr stark reduzieren kann.

Beim Kauf von Immobilien-ETFs sollten Sparer nicht zuletzt auf die Kosten (TER) und die Geld-Brief-Spanne achten. Letzere reicht von günstigen 16 bis zu 81 Basispunkten. Hier findet sich auch eine Übersicht über die größten Immobilien-ETFs im europäischen Markt.

EZB-Geldregen hilft Immobilien-ETFs

Trotz der Wertsteigerung im Immobiliensektor in den letzten Jahren können sich Immobilien-ETFs wohl sehr gut rentieren. Denn dafür sorgt schon alleine indirekt auch die EZB, die Monat für Monat Milliarden in ihre Aufkaufprogramme steckt, um die Zinsen niedrig zu halten. Nicht nur sicherheitsorientierte Anleger dürften damit kaum an weiteren Immobilieninvestments vorbeikommen. Grundsätzlich bieten allerdings für diejenigen, die das Geld langfristig investieren möchten, Aktien-ETFs in den dynamischen Emerging Markets bei geringem Langfristrisiko die besten Renditechancen.

Zuerst Veröffentlicht am: 26. Okt 2015
Am 24.05.2017 sinnwarend modifiziert.