Sind irrationale Kurseinbrüche bei ETFs zu erwarten?

Grafik: Tony Hegewald

Grafik: Tony Hegewald – Pixelio

Lange wurden ETFs als probates Mittel für ein stark risikoreduziertes Aktienengagement gelobt, weil der Sparer mit einem einzigen ETF-Wertpapier teils hunderte Aktiengesellschaften im Portfolio hat; nicht zuletzt galt zudem die hohe Liquidität als Pluspunkt. Nun wird gewarnt. Bei Kurseinbrüchen würden ETFs stärker als der zugrundeliegende Aktienindex einbrechen. Das war zwar für einige Stunden tatsächlich der Fall. Eine weitere Gefahr könnte ein Flash Crash darstellen. Der ist in seinen Ursachen nicht immer eindeutig im Nachhinein erklärbar, wie hier das Handelsblatt beschreibt. Es gibt zahlreiche Hochfrequenzhändler, die unter anderem mit Verkaufaufträgen nur kurz vortäuschen, eine große Menge eines bestimmten Wertes verkaufen zu wollen. Dann jedoch ziehen sie die Verkaufsorder blitzschnell zurück und wollen vom kurzfristigen Kurseinbruch profitieren, indem sie zum Beispiel Hebelprodukte einsetzen.

Welche Mechanismen im Hintergrund dabei wirken, konnte bisher niemand konkret beschreiben. So oder so handelt es sich nur um kurzfristige Zocker, die mittel- und langfristig keinen Einfluss auf die Entwicklung realer Aktienfonds haben, mit denen der Investor Anteile an Maschinen, Fabriken, Patenten und weltbekannter Marken erwirbt. Ein Flash Crash betrifft zudem wohl nur einzelne Aktienwerte, nicht gesamte, stark gehandelte Indizes oder ETFs, die diese Indizes abbilden.

Liquidität von ETFs weiter gesichert

Deshalb ist es absurd, die grundsätzliche Liquidität eines ETF in Frage zu stellen. Denn weiter gilt: ETFs der großen Anbieter sind liquide und im Gegensatz zu Immobilien und offenen Immobilienfonds innerhalb weniger Tage in Liquidität auf dem eigenen Giro- oder Tagesgeldkonto zu verwandeln. Im Übrigen orientieren sich die aktiven Aktienfonds ebenfalls am Index und wären damit ebenso von einem vorüberghenden Kurseinbruch betroffen. Wie Sparer der Stop-Loss-Falle entgehen können, die tatsächlich für einige Zeit eine Abwärtsbewegung verstärken kann, soll auf dieser Internetseite in einem zukünftigen Beitrag behandelt werden.

Bei kaum einer anderen Anlageform fallen so wenig Gebühren an wie bei einem ETF, die man mitunter schon für die geringe Jahresbestandsgebühr von 0,2 Prozent halten kann. Aktienfondsmanager beanspruchen auch schon mal jährlich 1,5 bis knapp zwei Prozent an Bestandsprovisionen.

Bestandsprovision von Investmentfonds zurückerhalten

Die wenigsten Kunden wissen, dass es einige wenige Möglichkeiten gibt, nicht nur den Ausgabeaufschlag (bis zu fünf Prozent), sondern auch die Bestandsprovision zurückzuerhalten, welche bei aktiven Investmentfonds anfallen, die von Fondsmanagern betreut werden. Im Falle normaler Altersvorsorgepläne macht das in 30 Jahren schnell eine größere Summe von 20.000 bis 30.000 Euro aus, die der Sparer sich so zurückholen könnte – wenn er die Information erhielte, wie das funktioniert. Daher gibt es durchaus eine Handvoll Aktienfonds, die sich von der Masse der mäßigen bis schlechten Investmentfonds abheben. Diese wenigen Aktienfonds schnitten über viele Jahre hinweg besser ab als der Aktienindex, an dem sie sich orientieren und damit deutlich besser als entsprechende ETFs.

Letztlich gehören in ein gutes Depot sowohl Aktienfonds als auch ETFs und zusätzlich ein kleinerer Anteil an Wertpapieren, mit denen die Sparer auf unterschiedliche Weise Mitbesitzer von Immobilien werden. Wer sich einmal die von den Medien gut versteckten Langfristcharts ansieht, der weiß, dass selbst die stärksten Kurseinbrüche auf einer Kursgrafik von mehreren Jahrzehnten kaum mehr als eine vorübergehende Delle markieren, die man zum billigen Nachkaufen nutzen sollte.