Foto: Lupo, Pixelio.de

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Auf dem Weg zur eigenen finanziellen Freiheit gibt es einige Stolpersteine, die das Erreichen des Ziels verzögern können. Einer der Stolpersteine sind scheinbar die wiederkehrenden Kurseinbrüche an den Aktienmärkten. Dabei vergessen viele, dass durch die Kurseinbrüchen und Käufe danach, der Vermögensaufbau sogar beschleunigt wird. Allerdings nur dann, wenn Anleger gut auf solche Situationen vorbereitet sind und sich die richtige psychologische Einstellung für die Börse angeeignet haben.

Wann sind Märkte überbewertet?

Doch wie erkennt man eine Überbewertung von Immobilien oder Aktienmärkten? Bei Immobilien erkennen Käufer eine Überbewertung eventuell. an der Differenz zwischen Herstellungs beziehungsweise Kaufkosten und derzeitigem Marktpreis. Dabei ist auch die Lage mitentscheidend. Natürlich ist es nicht das gleiche, ob man am Standort Unter den Linden in Berlin oder in der Pampa in Vorpommern Immobilieneigentum erwirbt. Ein bestimmtes Mehrfaches der Jahreskaltmiete besitzt übrigens nicht immer genügend Aussagekraft. Denn so wie die Gewinne von Aktiengesellschaften ändern sich auch die Mietpreise, je nach Bevölkerungsrückgang, nach innerdeutscher Migration, nach Modeerscheinungen, welcher Stadtteil oder welche Stadt gerade attraktiv ist. Noch mehr könnten Migrationmoden eine Rolle spielen, sobald die Babyboomer in Ruhestand gehen und sich nicht selten weitestgehend ungebunden einen attraktiven aber preisgünstigen Wohnort in Deutschland aussuchen. Ähnliches kann durch die Digitalisierung und zunehmen ortsunabhängige Arbeitsplätze der Fall sein. Wann fangen zum Beispiel Arbeitgeber in München, Hamburg und anderswo an, im Kampf um junge Fachkräfte und deren Familien Zweigniederlassungen in preiswerten Mittelstädten zu errichten, wo sich auch junge Familien Immobilieneigentum mit Grün leisten können? Auch so eine Bewegung könnte Immobilienstandorte stark verändern. Wo jetzt akuter Wohnungsmangel herrscht, könnte in einigen Jahren ein Überangebot und Preisverfall entstehen, nachdem einige zu Märchenpreisen gekauft haben. Wer dann seine Immobilien verkaufen will, bevor eine Preisblase platzt muss sich schon sehr beeilen. Aktienfonds sind hingegen viel leichter und in Teilen börsentäglich in Liquidität wandelbar.

 

Demographische Entwicklung beim Immobilienerwerb beachten

Die entscheidende Frage sollte beim Immobilienkauf somit lauten: Wer will eine bestimmte Immobilie in dieser Lage in 10 oder 20 Jahren kaufen oder dort wohnen: Und wie ist die Angebots-Nachfragesituation (Bevölkerungsrückgang) in diesem Stadtteil? Bei einzelnen Aktien sind Investoren zudem abhängig von Managemententscheidungen, von Konkurrenzunternehmen oder von disruptiven Innovationen, die andere Geschäftsmodelle zerstören können. Verdrängt das Elektro-Auto den Diesel? Wäre dann nicht eher Tesla statt Daimler empfehlenswert. Die zahlreichen nicht gut prognostizierbaren Einflüsse sprechen dafür, dass ein Anleger weder selbst Einzelaktien kauft, noch einem Aktienfondsmanager den größten Teil seines Geldes anvertraut. Nicht jeder Fondsmanager hat rechtzeitig erkannt, dass die über Jahrzehnte sehr soliden Versorger nach der Energiewende und mit den neuen dezentralen Stromerzeugern früher oder später ihr Geschäfsmodell verlieren. Plötzlich taten alle überrascht, als Eon verkündete, alle konventionellen Kraftwerke in eine Tochtergesellschaft auszugliedern und im Kern nur mit erneuerbaren Energieträgern zu arbeiten.

Banken und Versicherer fühlen sich zunehmend von den Fintechs und der Digitalisierung bedroht. Ein Blick auf die amerikanischen Banken würde zeigen, dass dort bereits auch aus diesem Grund viele zehntausende Arbeitsplätze abgebaut wurden.

Überbewertung erkennen und trotzdem teilweise investiert bleiben

Es ist wiederholt geschehen, dass die prognostizierten Kursgewinne von den Unternehmen nicht realisiert werden konnten und zurückgenommen wurden. Mit der gravierenden Konsequenz, dass die Aktiengesellschaften wie auch der gesamte Markt dadurch ein deutlich höheres KGV aufwiesen als es vielleicht ohnehin schon der Fall war. Plötzlich standen die Marktteilnehmer vor der Situation, entscheiden zu müssen, ob sie – vielleicht mit einer psychologisch relevanten Masse zusammen – Wertpapiere in größeren Mengen verkaufen mussten oder wollten, um Gewinne mitzunehmen und für den Fall eines Kurseinbruches mit einem blauen Auge davonzukommen; beziehungsweise erachteten sie es für sinnvoll, ausreichend Liquidität aufzubauen, um zu günstigeren Kursen später wieder einsteigen zu oder als Fondsmanager den flüchtenden Anlegern das Geld ohne Panikverkäufe tätigen zu müssen, auszahlen zu können.

Shiller-KGV als Kennziffer und Warnung

“Das Shiller-KGV; ein inflationsbereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis ist aussagekräftiger als das übliche KGV. Dessen durchschnittlicher Wert der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen zwischen 1881 und 2015 liegt bei 17; im Juli erreichten die S&P-500-Aktien einen Mittelwert von 27. Es stimmt: Vor dem Platzen der Internetblase hatten wir ein Shiller-KGV von 44. Dennoch: Über 27 lag der Wert erst wenige Male. Unter anderem 1929, 2000 und 2007,” erklärt hier der Nobelpreisträger, der das Shiller-KGV entwickelte, persönlich. Robert Shiller ist unter außerdem bekannt für den von ihm mitentwickelten Case-Shiller-Index, der die Entwicklung am Immobilienmarkt einschätzt. Er zählt zu den geistigen Vätern der Behavioral Finance, der Analyse des Anlegerverhaltens unter Einbeziehung von Irrationalität, Herden- und Spieltrieb. Dennoch fällt es sicher auch ihm schwer, die genaue Woche oder auch nur den Monat zu benennen, in dem Investoren aussteigen sollten, bevor der irrationale Kursanstieg zu einem meist irrationalen Kurseinbruch führt.

Fondsmanager können einem daher leid tun: Denn wie aus der Branche zu hören ist stehen die Vorstände einer Gesellschaft sehr schnell bei den Fondsmanagern auf der Matte und üben Druck aus, wenn ein Marktaufschwung oder ein Marktabschwung von den Fondsmanagern mit zu wenig oder zu viel Liquidität nicht mitgemacht wird bzw. bei abstürzenden Märkten nicht „rechtzeitig“ verkauft wurde. Unabhängig davon unterliegen auch Fondsmanager dem Herdentrieb ihrer Kollegen. Nicht zu vergessen: Sie hantieren nicht mit dem eigenen Geld, sondern dem Geld anderer Leute.

Dahinter steht der Druck, als Fondsgesellschaft nicht schlechter als der Markt und die Konkurrenz dastehen zu wollen. Doch gerade das gelingt je nach Quelle 80 bis 90 Prozent der Fondsmanagern nicht. Dabei zeigt die Statistik, dass ein kompletter Ausstieg aus dem Aktienmarkt kaum sinnvoll ist. Denn direkt nach Kurseinbrüchen folgten meist in kurzen Abständen die wenigen aber entscheidenden Tage mit hohen Kursgewinnen. Genau diese Tage fehlen den Investoren, die panikartig zu früh verkauft haben, um überhaupt so gut wie der Markt abzuschneiden. Stattdessen sollten investoren den Hold-and-Buy-Ansatz verfolgen; allenfalls einen Teil von scheinbar überbewerteten Märkten könnten Anleger in anderen Regionen in ETFs investieren. Eher also möglichst mit niedrigen Gebühren switchen statt aussteigen. Ansonsten gilt das Sprichwort: „Ständig hin und her macht die Taschen leer.“ Es fallen bei aktive Fonds zu hohe Transaktionskosten an, zumal wenn der Kauf in Filialbanken stattfindet.

Selbstentscheider setzen auf Buy-and-Hold oder auf Buy-and-Switch

Aber als Privatanleger, der selbst entscheidet, kann jeder dieser Konsequenz entgehen, indem er auf Indexfonds (ETFs) setzt, oder gleich einige der wenig guten Smart-Beta-EFTs – auch Faktor-ETFs – genannt auswählt. Diese setzen auf Indizes, die durch einige Faktoren beeinflusst von potentiell schlechteren Aktiengesellschaften „bereinigt“ werden sollen.

Bei einem Indexfonds z.B. auf den MSCI World ist der Anleger in ca. 1600 Aktien investiert, hat somit eine sehr breite Risikostreuung und kann dann noch geringere Teile – vielleicht im Laufe der Jahre – in einige weitere Einzelaktien oder regionalere ETFs (Wachstumsmärkte) verteilen.

Bei zeitlich schrittweisem Investieren spielt zwischenzeitliche Überbewertung keine große Rolle, weil Aktienmärkte mittel- und langfristig im Unterschied zu Immobilien deutlich über der Inflationsrate liegen. Wichtig ist es dabei, nicht erst dann Aktienfonds zu kaufen, wenn schon ein langer Aufschwung stattgefunden hat oder zumindest in den jeweils richtigen Intervallen schrittweise zu kaufen. Kursrückschläge in einzelnen Ländern – ab 20 % vom Höchststand – laden zu einem schrittweisen, mittel- bis langfristigen Investment ein.

Ein Indexfonds enthält immer auch Wachstums- und Innovationsaktien wie Amazon, Ebay, Google und andere. Immobilien werden zum einen meist als Ganzes (nicht als Immobilienfonds schrittweise) gekauft und bieten im Vergleich zu Technologieanteilen der Indexfonds eher wenig Wachstums- und Innovationspotential. Wohl der entscheidende Grund für die deutlich niedrigere Rendite von Immobilien. Doch das muss der sicherheitsorientierte Anleger erst einmal in seinen Kopf hinein bekommen, um richtig zu sparen. Ansonsten setzt auch in Zukunft etwa 90 Prozent der Bevölkerung mit der falschen psychischen Sparneigung auf das falsche Pferd und vergeigen den eigenen Vermögensaufbau. Um diese richtigen Einstellung zu erlangen, kann nur unabhängiges Finanzcoaching empfohlen werden.
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