Foto: Michael Grabscheit, Pixelio

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Auch Anlageberater der Banken oder der Finanzvertriebe benötigen eine Daseinsberechtigung. Jedenfalls dann, wenn die Gebühren einiger Fonds jährlich bis zu 1,5 Prozent des angelegten Betrags und manchmal noch mehr ausmachen. Also wird zum Unmschichten geraten, weil es woanders (doch noch) mehr oder überhaupt Rendite gebe. Dass hier grundsätzlich zusätzliche Transaktionskosten und in Filialbanken recht hohe Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent das umgeschichteten Betrags anfallen, müsse der Anleger eben hinnehmen. Doch es geht auch anders.

Automatisiertes Umschichten ohne Wertpapierwechsel
Sparern wird von unabhängigeren Experten wie beispielsweise Finanztip.de empfohlen, stark auf ETFs zu setzen. Diese weisen deutlich geringere Gebühren auf. Übersehen wird hierbei gerne, dass bei ETFs, die auf Länder setzen oder noch mehr bei ETFs mit einer bestimmten Strategie wie der Dividendenstrategie bereits eine regelmäßige Umschichtung erfolgt. Bevor ein DAX-Wert Insolvenz anmelden müsste, würde er mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit aus dem Index herausfallen, weil vorher die Marktkapitalisierung sinkt. Das hätte ein Ersetzen dieser Aktiengesellschaft durch eine andere AG aus dem MDAX zur Folge. Somit ist durch die automatisierte Umschichtung innerhalb des DAX-ETFs wie in vielen anderen Länder-ETFs ein übermäßiger Verlust längerfristig in aller Regel ausgeschlossen. Hätte ein Anleger diesen Wert einzeln im Depot und würde nicht (rechtzeitig) reagieren, stiegen die Verlustrisiken stark an bis hin zum Totalverlust. Bei Dividenden-ETFs gilt ebenso, dass bei einem Rückgang der Dividende ein Wert aus dem Index fällt. Allerdings ist speziell bei Dividenden ETFs Vorsicht geboten, wenn allein die Dividende zählt und der ETF noch auf einzelne Länder beschränkt ist. So wäre die Wertentwicklung bei Dividenden-ETFs durch die Deutsche Telekom, einige Banken und Versorgertitel wohl gefährdet, da diese Titel lange noch hohe Dividenden zahlten, als bereits die wirtschaftliche Entwicklung alles andere als rosig zu bezeichnen war. Es lohnt sich also ein genauer Blick auf die Zusammensetzung und Strategie eines ETF. Insbesondere gibt es zunehmend mehr Neuentwicklungen, die als Faktor-ETF oder Smart Beta ETF bezeichnet werden. Neben mitunter unnötig hohen Gebühren bieten diese auch höhere Renditen mit begrenzten Risiken. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Unkompliziert Länder-ETFs zu günstigen Preisen kaufen
Doch wie lassen sich geeignete ETFs jenseits der breiten Indexfonds auf DAX, SAP 500, Dow oder MSCI World finden? Wann ist der richtige Kaufzeitpunkt gekommen? Letztere Frage sollten Sparer schnell wieder ad acta legen. Den regelmäßig richtigen Einstiegs- und Ausstiegsmoment findet nur ein absoluter Glückspilz. Es wäre vielen Sparern schon geholfen, wenn sie sich ihrer eigenen Psyche vergewissern und sich mit dem Phänomen des Herdentriebs und psychischer Grundkonstanten bei Anlegern beschäftigen würden.

Nerven behalten und antizyklisch handeln
Kurz und vereinfacht gesagt, ist das bekannte antizyklische Handeln sehr empfehlenswert. Dazu genügt schon aufmerksames Zeitungslesen und Nachrichtenhören und die Recherche mit Suchmaschinen. Damit findet jeder Länder, deren Aktienindizes vom Höchststand aus betrachtet deutlich, das heißt um mindestens 25 Prozent gefallen sind. Der brasilianische Index Bovespa verlor in den letzten 5 Jahren gut 30 Prozent. Angesichts der Rohstoffvorräte Brasiliens und der jungen Bevölkerung, die den Konsum und die Investitionen befördern wird, kann man als langfristorientierter Anleger davon ausgehen, dass trotz aller aktuellen Probleme Brasiliens die alten Höchststände erreicht und übertroffen werden. Beim oder kurz vor dem Wiedererreichen der Höchststände braucht man dann auch nicht mehr mit hohen Beträgen einsteigen. Bis zum eigenen Rentenalter werden angesichts der demographischen Probleme Deutschlands die jugendlichen Brasilianer so indirekt den deutschen Sparern aushelfen. Der Lyxor UCITS ETF Brazil (WKN: LYX0BE) enthält momentan 181 Millionen Euro. Er investiert in etwa fünfzig Titel. Die größten Bereiche sind Finanzdienstleister (38,52%), Verbrauchsgüter (17,36%) und Grundstoffe (11,95%) bei einer Gebührenquote pro Jahr (Gesamtkostenquote) von 0,65 Prozent.

Noch stärker als Brasilien ist Griechenland abgestürzt. Mit dem Lyxor-ETF investiert man hier wie auch in anderen Krisenkandidaten am besten monatlich oder im Zweimonatsrhytmus kleinere Beträge. Alternativ können mutige Langfristanleger einen höheren Betrag – auf keinen Fall das gesamte Vermögen – dritteln und einen Teil zum Beispiel gleich und je nach weiterer Entwicklung in etwa 6 oder 8 Monaten den zweiten und später den dritten Teil investieren. Jedes Land sollten die Sparer für sich betrachten und überlegen, ob nach einem sehr starken Kursrückgang wichtige Gründe wie sehr junge Bevölkerung, Rohstoffreichtum, sehr günstige Standortkosten oder wie bei Griechenland die grundsätzliche Mitgliedschaft in der EU für eine früher oder später starke Erholung des Aktienmarktes sprechen.

Die richtigen Länder-ETFs zum richtigen Zeitpunkt finden
Andere Erholungskandidaten waren in den letzten Monaten oder sind es noch Länder wie Indien, Thailand, Indonesien oder Vietnam. Auch in Ostmitteleuropa konnten aufmerksame Anleger fündig werden. Konkret lassen sich einfach in die Suchmaschine die Begriffe “ETF Index [Land]” eingeben. Dann stößt man schnell auf die richtigen Ergebnisse. Oft schon bei den Finanzportalen Ariva.de, Onvista.de oder Finanzen.net, wo sich die Kursentwicklungen anhand der Charts graphisch nachverfolgen lassen. Sehr empfehlenswert wäre es, die Charts mit dem Weltindex MSCI-World zu vergleichen. Dies lässt sich jeweils einstellen oder am besten wie bei Ariva möglich, nach Anmelden und Einloggen automatisch mit Vergleichsindizes oder der 200-Tages-Linie abgleichen. Nach einem weltweitem Rückgang der Indizes, sollten Anleger nicht auf einzelne Länder setzen, wenn diese nicht markant mehr als der Weltindex verloren haben. Dann ist man mit dem viel breiter und damit risikoärmeren MSCI-World-ETF viel besser dran. Dieses ganze Prozedere müssen Langfristanleger lediglich drei- bis viermal im Jahr wiederholen, um nicht ausgezeichnete Chancen auf hohe Langfristgewinne bei niedrigem Risiko zu verpassen.

Gewinne mitnehmen?

Nach hohen Gewinnen in einigen Länderindizes, können Teilverkäufe in Märkte mit Erholungspotential investiert werden. Auf diese Weise diversifiziert der Sparer sein Depot immer stärker und minimiert die Risiken durch eine zunehmende Streuung bei günstigen Kaufpreisen. Selbst rüstigen Senioren, die noch mit 20-30 Lebensjahren rechnen, sei dies mit einem nicht zu kleinen Anteil des Vermögens empfohlen; vor allem dann, wenn sie wie üblich eine ausreichende staatliche Grundrente und andere monatliche Einkommen haben und somit nicht das ganz Vermögen oder große Teile auf einmal benötigen. Es gibt für diese Zielgruppe bei Direktbanken übrigens kostengünstige Auszahlpläne.

Der richtige Verkaufszeitpunkt
Was den Verkaufszeitpunkt angeht, gilt ähnliches wie für den Einstiegszeitpunkt: Im nachhinein ist man immer schlauer. Bei sehr schnellen Kursanstiegen und Erreichen immer neuer Höhepunkte, sollten Investoren das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit Blick auf die vergangenen KGV-Werte im Blick behalten. Entweder man nimmt zwischenzeitlich duch Teilverkäufe Gewinne mit oder setzt sich ein persönliches (nicht automatisiert bei der Direktbank eingegebenes) Stop-Loss-Limit bei stärkeren Abwärtsbewegungen. Dabei gilt: Die eigene Psyche im Griff haben und konsequent Verluste begrenzen.

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